19 June 2026, 00:24

Bayreuther Festspiele: Eklat um Michel Friedman und Wagners problematisches Erbe

Wer schreit am lautesten 'Antisemitismus'?

Bayreuther Festspiele: Eklat um Michel Friedman und Wagners problematisches Erbe

Das Bayreuther Festspielhaus stand kürzlich wegen einer abgesagten Veranstaltung mit Michel Friedman in der Kritik. Die Süddeutsche Zeitung hatte zunächst über die ohne Vorwarnung stornierte Diskussion berichtet, was umgehend eine öffentliche Debatte auslöste. Später ruderte das Festival zurück, entschuldigte sich bei Friedman und bestätigte, dass die Veranstaltung wie geplant stattfinden werde.

Katharina Wagner hatte die Absage zunächst mit Sicherheitsbedenken begründet. Michel Friedman warf dem Festspielhaus daraufhin vor, die Auseinandersetzung mit Richard Wagners Antisemitismus zu verharmlosen, und erklärte, in Bayreuth sei „der Boden kontaminiert“. Der Streit lenkte die Aufmerksamkeit auf die historischen Verstrickungen des Festivals mit dem Nationalsozialismus.

Schon lange setzt sich das Festspielhaus mit seiner Vergangenheit auseinander – etwa durch Gedenkstelen, Symposien und die Arbeit des Wahnfried-Hauses. Auch in seinen Inszenierungen wurde Richard Wagners Antisemitismus thematisiert, etwa in Katharina Wagners Interpretation der Meistersinger oder Barrie Koskys Version, die in einem Nürnberger Prozessaal spielte. Jüdische Dirigenten wie Daniel Barenboim und Kirill Petrenko prägten maßgeblich die musikalische Ausrichtung des Festivals, während kritische Stimmen in das Programm einbezogen wurden.

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Christian Thielemann präzisierte, dass Gespräche über eine Veranstaltung mit Friedman bereits über ein Jahr zuvor geführt worden seien, er selbst habe jedoch nie zugesagt, da Terminüberschneidungen bestünden. Die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung über Antisemitismus beim Festival stammte übrigens nicht aus dem Kultur-, sondern aus dem Politikressort.

Mittlerweile hat das Bayreuther Festspielhaus bestätigt, dass die Diskussion mit Michel Friedman stattfinden wird. Die Entschuldigung an Friedman beendet vorerst den akuten Konflikt. Das Festival bleibt in seiner künstlerischen und bildungspolitischen Arbeit weiter mit der Aufarbeitung seiner komplexen Geschichte und dem Erbe von Richard Wagners Antisemitismus befasst.

Quelle