Erlangen führt Index für "sexistische" Partyhits ein – Wirte zweifeln an Sinn
Joseph KreuselErlangen führt Index für "sexistische" Partyhits ein – Wirte zweifeln an Sinn
Erlangens Stadtverwaltung erstellt Index „sexistischer“ Festzelt-Hits – Wirte reagieren skeptisch
Die Stadtverwaltung Erlangen hat einen Index mit als „sexistisch“ eingestuften Partyhits erstellt, um deren Abspielen beim Bergkirchweih-Volksfest einzudämmen. Anlass ist eine Beschwerde vom vergangenen Jahr über aggressives Verhalten und die dort gespielte Musik. Gastwirte zeigen sich gegenüber der Liste jedoch skeptisch.
Auf dem Index stehen bekannte Titel wie Skandal im Sperrbezirk sowie Lieder von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel. In Wackels Hit Joana heißt es etwa Du geile Sau – eine Zeile, die Beamte als problematisch einstuften. Wackel selbst kritisierte die Einschränkungen und behauptete, viele Künstler hätten nun „null Bock“, in Deutschland aufzutreten.
Ein Verbot der Songs ist rechtlich nicht möglich, doch die Stadt appelliert an die Wirte, auf sie zu verzichten. Da viele Betriebe auf kommunale Unterstützung angewiesen sind, gilt eine Kooperation als wahrscheinlich. Die Maßnahme knüpft an einen Beschluss des Stadtrats aus dem Jahr 2021 an – getragen von CSU, Linken und SPD –, der Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ beim Fest verurteilte.
Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation mit Zensur in der DDR. Unterdessen zweifeln Gastwirte am Nutzen der Liste: Werde sie das Verhalten wirklich ändern – oder nur Bürokratie schaffen?
Ziel des Index ist es, durch die Ächtung als sexistisch geltender Musik aggressive Vorfälle beim Bergkirchweih zu reduzieren. Künstler und Lokalbetreiber sehen darin jedoch einen überzogenen Eingriff. Ohne ein explizites Verbot wird sich der tatsächliche Effekt daran messen, wie konsequent die Wirte die Empfehlungen der Stadt umsetzen.






