Grüne fordern Männerpolitik – doch spaltet das die eigene Partei und die Gesellschaft?
Siglinde WerneckeGrüne fordern Männerpolitik – doch spaltet das die eigene Partei und die Gesellschaft?
In der Grünen Partei hat eine Debatte über die Rolle von Männern in der modernen Gesellschaft neue Brisanz gewonnen. Der Parteivorsitzende Felix Banaszak, bekannt für sein pinkfarbenes Büro und progressive Ansichten, setzt sich dafür ein, dass sich Männer stärker mit feministischen Ideen auseinandersetzen. Sein Aufruf zu einer „Männerpolitik“ stößt innerhalb der eigenen Partei sowohl auf Zustimmung als auch auf scharfe Kritik.
Gleichzeitig zielen rechtsextreme Politiker wie Maximilian Krah von der AfD mit spaltender Rhetorik gezielt auf junge Männer ab und präsentieren politische Identität als Lösung für persönliche Probleme.
Die Diskussion erhielt neuen Schwung, nachdem Banaszak in einem Playboy-Interview junge Männer herausgefordert hatte. Er forderte sie auf, ihre Privilegien zu hinterfragen und traditionelle Geschlechterrollen kritisch zu betrachten. Sein Ansatz war bewusst provokant – nicht, um einfache Antworten zu liefern, sondern um Selbstreflexion anzuregen.
Banaszaks Haltung knüpft an ein Grünes-Manifest aus dem Jahr 2010 an, betitelt „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich“. Mitverfasst von Sven Lehmann, argumentierte das Papier, dass Männer davon profitieren, starre Geschlechterrollen abzulegen. Lehmann, heute selbst Politiker, beobachtet zwar einen Wandel der Einstellungen, warnt aber, dass einige Männer Veränderungen weiterhin widerstehen. Frustration über veraltete Erwartungen mache sie anfällig für rechtsextreme Erzählungen, so Lehmann.
Nicht alle in der Grünen Partei begrüßen Banaszaks Fokus auf Männer. Der Bundesfrauenrat reagierte skeptisch und befürchtet, dass Ressourcen für Frauenthemen schrumpfen könnten, wenn die Aufmerksamkeit umgelenkt wird. Diese Sorge verdeutlicht ein Dilemma: Lassen sich die Probleme von Männern angehen, ohne die bestehenden Bemühungen um Gleichberechtigung zu untergraben?
Die Debatte beschränkt sich nicht auf die Politik. Vor zwei Jahrzehnten trug der Fußballtorwart Tim Wiese noch ohne öffentliche Kritik Pink während seiner Spiele – ein Zeichen dafür, wie sich Vorstellungen von Männlichkeit wandeln können. Doch heute offenbaren die Wahlentscheidungen junger Männer tiefe Gräben: Bei der letzten Bundestagswahl tendierten junge männliche Wähler vermehrt zur rechtsextremen AfD, während ihre weiblichen Altersgenossinnen eher links der Mitte wählten.
Am rechten Rand nutzen Figuren wie AfD-Politiker Maximilian Krah diese Unzufriedenheit gezielt aus. In einem Video vor der Europawahl 2024 rief er alleinstehende Männer auf, „auf der rechten Seite“ zu stehen – und verband so persönliche Frustration mit politischer Gesinnung. Die Äußerung unterstreicht, wie Geschlecht und Identität zu Schlachtfeldern in den größeren Kulturkämpfen geworden sind.
Banaszaks Forderung nach einer Männerpolitik zwingt zu einer schwierigen Diskussion über Gleichberechtigung und Privilegien. Seine Kritiker befürchten, dass ein Fokus auf Männer Energie von den Rechten der Frauen abzieht, während Befürworter argumentieren, dass Feminismus alle einbeziehen müsse. Die gespaltenen Wahlentscheidungen junger Männer erschweren die Lage zusätzlich.
Während rechtsextreme Gruppen verunsicherte Männer mit simplen Antworten ködern, steht die demokratische Politik vor einer Herausforderung: Wie lässt sich männliche Verunsicherung thematisieren, ohne alte Hierarchien zu zementieren oder die Polarisierung weiter anzuheizen?






