Kant als TikTok-Star: Wie KI den Aufklärer zur Gen-Z-Ikone macht
Eine deutsche Werbeagentur hat den Philosophen des 18. Jahrhunderts, Immanuel Kant, wieder auferstehen lassen – diesmal als Gen-Z-Influencer. Mit KI-Tools und Popkultur-Referenzen soll das Projekt seine komplexen Ideen einer jüngeren Zielgruppe näherbringen. Die digitale Figur, liebevoll „Manu“ genannt, erklärt Kants Theorien anhand von Songs wie Miley Cyrus’ Flowers und tiktoktauglichen Inhalten.
Immanuel Kant, 1724 in Königsberg (Ostpreußen) geboren, zählt bis heute zu den einflussreichsten Denkern der Aufklärung. Seine Werke, darunter die Kritik der reinen Vernunft, loteten die Grenzen der menschlichen Erkenntnis aus, während seine Moralphilosophie mit dem kategorischen Imperativ ein Prinzip schuf, das bis heute grundlegend für die Ethik ist. Eine weitere zentrale Idee, der transzendentale Idealismus, besagt, dass unsere Wahrnehmung der Realität von angeborenen kognitiven Strukturen geprägt wird.
Die Verwandlung Kants in einen modernen Influencer brachte technische und ethische Herausforderungen mit sich. Das Team der Agentur Jung von Matt CREATORS nutzte Stable Diffusion XL, um ein Gesicht zu gestalten, das Kants bekannten Zügen ähnelt. Anschließend klonte es mithilfe des Text-to-Speech-Dienstes ElevenLabs die Stimme des echten Influencers Ole Liebl, um eine überzeugende KI-Persönlichkeit zu schaffen. Doch jenseits der Technik erforderte das Projekt einen sensiblen Umgang mit Kants Erbe: Es galt, historische Genauigkeit mit Respekt vor seinem geistigen Eigentum und seiner Würde in Einklang zu bringen.
Die größere Hürde bestand jedoch darin, Kants anspruchsvolle Philosophie für ein junges Publikum verständlich zu machen. Die Strategie: Seine Ideen wurden in kurze, unterhaltsame Clips zerlegt, mit alltagsnaher Popkultur verknüpft und durch auffällige Visuals untermalt. So diente etwa das Thema Selbstbestimmung in Flowers als Aufhänger, um Kants Ansichten zu Autonomie und moralischer Pflicht zu erklären.
Das Projekt zeigt, wie KI und kreatives Storytelling historische Figuren für neue Generationen wiederbeleben können. Indem Kants Theorien mit modernen Medien verschmelzen, hofft das Team, bei jüngeren Zuschauer:innen Interesse an Philosophie zu wecken. Ob der Ansatz Kants Werk tatsächlich zugänglicher macht, bleibt jedoch abzuwarten.






