RAW-Gelände in Berlin: Räumungsdrohung gegen Cassiopeia und ungewisse Zukunft
Artur HofmannRAW-Gelände in Berlin: Räumungsdrohung gegen Cassiopeia und ungewisse Zukunft
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes – ein langjähriger soziokultureller Hotspot – steht nach fast elf Jahren festgefahrener Verhandlungen auf der Kippe. Am Samstagabend pulsierte das Areal in Friedrichshain noch vor Leben, mit einer öffentlichen Fußball-Übertragung und regem Betrieb. Doch über seinem Fortbestand schwebt ein großes Fragezeichen. Der Cassiopeia-Club, eine der zentralen Spielstätten, droht nun bis Ende des Monats die Räumung.
Die Kurth-Gruppe erwarb das RAW-Gelände 2015. Seither ringt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg um einen Ausgleich zwischen Bebauungsplänen und dem Erhalt der subkulturellen Identität des Ortes. 2022 zeichnete sich eine mögliche Einigung ab: Der Bezirk schlug einen 100 Meter hohen Büroturm vor – im Gegenzug sollte das sogenannte „kulturelle L“ langfristig gesichert werden. Doch das Abkommen platzte, und die Gespräche kamen zum Erliegen.
Im Mai 2023 erlitt die Verhandlungsführung einen weiteren Rückschlag: Der Bezirk zögerte die Erteilung von Baurechten hinaus, aus Sorge vor voreiligen Zusagen. 2024 stieg die Kurth-Gruppe schließlich ganz aus den Gesprächen aus – und setzte stattdessen auf lukrativere Wohnprojekte. Das Unternehmen wirft dem Bezirk nun vor, der aktuelle Rahmenvertrag verrate frühere Absprachen und diene allein den Interessen Berlins.
Florian Falkenhagen, Geschäftsführer des Cassiopeia, erhielt bereits die mündliche Aufforderung, die Räume zu räumen. Obwohl der Club weiterhin Miete zahlt und seit Ablauf des Mietvertrags im vergangenen Jahr auf Zeit spielt, muss er nun innerhalb weniger Wochen ausziehen. Die Kurth-Gruppe erklärte den Planungsprozess für gescheitert: Ohne Kooperation des Bezirks könne der Investor nicht weiterhandeln – die Angst vor einem Abriss des Geländes wächst.
Die Zukunft des RAW-Areals bleibt ungewiss, während die Verhandlungen immer wieder scheitern. Cassiopeia und andere Projekte stehen vor der akuten Räumung. Ohne eine verbindliche Lösung droht der Verlust dieses historischen Kulturorts – zugunsten neuer Bebauung.
