Schwarz Digits baut Europas Mega-Rechenzentrum für digitale Souveränität und KI-Innovation
Siglinde WerneckeSchwarz Digits baut Europas Mega-Rechenzentrum für digitale Souveränität und KI-Innovation
Europa drängt auf mehr Kontrolle über seine digitale Zukunft. Unternehmen und Regierungen investieren massiv, um die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern. Ein wichtiger Schritt kommt von der Schwarz Gruppe, die ihre Geschäftsaktivitäten durch eine neue Sparte namens Schwarz Digits grundlegend umgestaltet.
Im Rahmen dieser Initiative entsteht in Lübbenau (Brandenburg) ein 11-Milliarden-Euro-Rechenzentrum, das Platz für 100.000 Grafikprozessoren (GPUs) bieten soll. Führungskräfte argumentieren, dieser Schritt werde Europa helfen, seine Daten souverän zu verwalten und gleichzeitig Innovation in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Cloud-Infrastruktur voranzutreiben.
Schwarz Digits, geleitet von Rolf Schumann und Christian Müller, verwandelt den Handelsriesen in einen Anbieter digitaler Infrastruktur. Ziel ist es, die europäische Abhängigkeit von externen Technologiesystemen zu verringern. Die Sparte hat bereits eine eigene Cloud-Plattform namens Stackit aufgebaut, die sicherstellt, dass Daten in Europa bleiben und auf Open-Source-Prinzipien basieren – für mehr Transparenz.
Das neue Rechenzentrum in Brandenburg wird zunächst die internen Datenanforderungen der Schwarz Gruppe bedienen. Überschüssige Kapazitäten sollen jedoch auch externen Kunden angeboten werden, um ein breiteres Ökosystem zu schaffen. Schumann sieht KI vor allem als Produktivitätstool und betont Europas Stärken jenseits großer Sprachmodelle wie ChatGPT. Er setzt sich für eine ausgewogene Regulierung ein, die Verantwortung fördert, ohne Innovation zu ersticken.
Dieser Vorstoß für digitale Souveränität spiegelt sich auch in Schleswig-Holstein wider, wo eine dreijährige Open-Source-Strategie ausländische Softwarelizenzen durch lokal entwickelte Lösungen ersetzt hat. Das Bundesland wirbt für eine EU-weite Übernahme dieses Ansatzes, während Projekte wie ECHOES (European Cloud for Heritage OpEn Science) digitale Infrastrukturen für Kulturerbe und Open Science aufbauen. Das übergeordnete Ziel ist es, die Kontrolle über Daten, Infrastruktur und wirtschaftliche Wertschöpfung zurückzugewinnen – nicht als Isolationismus, sondern als Grundlage für politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Europas Herausforderung liegt darin, Ehrgeiz und Realität in Einklang zu bringen. Zwar strebt der Kontinent nach weniger Abhängigkeit von ausländischer Technologie, doch bleibt er auf globale Standards und Skaleneffekte angewiesen, die anderswo entstanden sind. Der Ansatz von Schwarz Digits, der proprietäre Cloud-Infrastruktur mit Open-Source-Zusammenarbeit verbindet, zeigt einen möglichen Weg in diesem komplexen Umfeld auf.
Das 11-Milliarden-Euro-Rechenzentrum in Lübbenau steht für eine der größten Investitionen in Europas digitale Infrastruktur. Die Strategie von Schwarz Digits – verankert in Datenhoheit, Open-Source-Technologie und KI-Produktivität – zielt darauf ab, die wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit des Kontinents zu stärken. Gleichzeitig prägen regionale Initiativen wie die Open-Source-Offensive Schleswig-Holsteins und EU-geförderte Projekte weiterhin eine selbstbestimmtere digitale Zukunft.






