Staatsoper Stuttgart wagt Sancta: Oper zwischen Ekstase und Provokation
Artur HofmannStaatsoper Stuttgart wagt Sancta: Oper zwischen Ekstase und Provokation
Die Staatsoper Stuttgart zeigt Sancta – eine mutige Inszenierung zwischen Oper, Kunst und körperlichen Extremen
Unter der Regie von Florentina Holzinger entsteht mit Sancta eine provokante Produktion, die Paul Hindemiths Sancta Susanna neu interpretiert – angereichert mit katholischen Liturgien, Nacktheit und intensiven körperlichen Akten. Dirigentin Marit Strindlund lobt den anspruchsvollen, aber fesselnden Ansatz der Inszenierung.
Holzingers Sancta baut auf Hindemiths Oper von 1922 auf, verwandelt sie jedoch in eine radikale Auseinandersetzung mit Spiritualität, Schmerz und Geschlechterrollen. Die Aufführung setzt auf Nacktheit, inszenierte Verletzungen und Körperaufhängungen – Elemente, die sich auf die Wunden Christi beziehen, zugleich aber gesellschaftliche Ungleichheiten hinterfragen. Strindlund beschreibt das Stück als herausfordernd und zugleich inklusiv: Es informiere, berühre und unterhalte.
Die Premiere löste trotz klarer Triggerwarnungen mehrere Erste-Hilfe-Einsätze aus. Das Publikum diskutiert seither intensiv über die Themen der Inszenierung, insbesondere die Darstellung von Frauen, die sich traditionelle Rollen in der christlichen Geschichte zurückerobern. Strindlund, die bereits Holzingers Ophelia's Got Talent schätzte, nennt die Arbeitsweise einzigartig und die Bilder unvergesslich.
Sancta ist am 3., 4. und 5. Oktober zu sehen – für diese Termine sind noch Karten verfügbar. Die Vorstellungen am 1. und 2. November sind bereits ausverkauft.
Die Produktion sprengt Genregrenzen, indem sie Oper mit extremer Körperkunst verbindet. Sie konfrontiert das Publikum mit schonungslosen Darstellungen von Leid und Befreiung und definiert dabei Bühnenkonventionen neu. Wer die Aufführung besucht, wird sie noch lange nach dem Fall des Vorhangs in Erinnerung behalten.






