Vatikan lehnt Laienpredigten ab – deutsche Kirche reagiert enttäuscht
Joseph KreuselVatikan lehnt Laienpredigten ab – deutsche Kirche reagiert enttäuscht
Der Vatikan hat einen Vorschlag der deutschen Bischofskonferenz abgelehnt, der Laien in Ausnahmefällen das Predigen während der Messe ermöglichen sollte. Kardinal Arthur Roche, der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, wies das Gesuch in einem Schreiben vom 17. Juni offiziell zurück. Die Entscheidung stieß bei Laienverbänden in Deutschland auf Kritik, die sich seit Langem für eine stärkere Einbindung in liturgische Aufgaben einsetzen.
Die Deutsche Bischofskonferenz hatte beantragt, dass qualifizierte Laien an Sonn- und Feiertagen die Homilie halten dürfen. Der Antrag war Teil des sogenannten „Synodalen Wegs“, der eine Reform bestimmter Praktiken innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland anstrebt. Das Dikasterium für den Gottesdienst betonte jedoch in seiner Antwort, dass die Predigt aufgrund ihres liturgischen Charakters weiterhin Priestern oder Diakonen vorbehalten bleiben müsse.
Papst Franziskus hatte bereits zuvor Bedenken gegenüber dem Synodalen Weg geäußert und gewarnt, dass die Diskussionen eher von Ideologie als vom Glauben geprägt seien. Die deutschen Bischöfe akzeptierten die Entscheidung des Vatikans und räumten ein, dass nach geltendem Kirchenrecht nicht geweihte Personen innerhalb der Eucharistiefeier nicht predigen dürfen.
Als Reaktion darauf kündigte Irme Stetter-Karp, die Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, an, sich weiter für das Anliegen einzusetzen. Auch der Katholische Deutsche Frauenbund verurteilte die Entscheidung und bezeichnete sie als weiteren Beleg für die Ausgrenzung von Frauen aus zentralen Positionen in der Kirche.
Mit der Ablehnung bestätigt der Vatikan die bestehenden Regeln zur Predigt während der Messe. Deutsche Laienverbände zeigen sich entschlossen, die Entscheidung weiter anzufechten, doch die Haltung der Kirche in dieser Frage bleibt unverändert. Die Zurückweisung unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen Rom und Teilen der deutschen Kirche in der Frage liturgischer Reformen.
