Warum wir uns an den falschen Orten fürchten – die Lücke zwischen Angst und Kriminalität
Lilian BarthWarum wir uns an den falschen Orten fürchten – die Lücke zwischen Angst und Kriminalität
Öffentliche Sicherheitswahrnehmung und tatsächliche Kriminalität klaffen oft auseinander. Während sich die meisten Menschen zu Hause sicher fühlen, steigt die Angst in bestimmten öffentlichen Räumen – besonders nach Einbruch der Dunkelheit. Neue Erkenntnisse zeigen, dass diese "Angstorte" nicht immer mit tatsächlichen Kriminalitätsschwerpunkten übereinstimmen, auch wenn es Ausnahmen gibt, etwa Bahnhöfe.
Über 90 Prozent der Befragten geben an, sich in ihrer Nachbarschaft und in den eigenen vier Wänden sicher zu fühlen. Doch dieses Vertrauen schwindet rasant in schlecht beleuchteten oder fast menschenleeren öffentlichen Bereichen bei Nacht. Besonders Frauen, ältere Menschen und Personen, die allein unterwegs sind, fühlen sich in solchen Situationen am verletzlichsten.
Kriminalität selbst ist in Städten häufiger, wo jüngere Bevölkerungsgruppen und mehr Gelegenheiten für Straftaten bestehen. Junge Männer dominieren die Kriminalstatistiken, vor allem bei Gewaltdelikten. Studien nennen zwei zentrale Risikofaktoren für Jugendgewalt: erlebte Misshandlung oder Gewalt in der Kindheit sowie der Umgang mit gleichaltrigen Peers, die in kriminelle Handlungen verwickelt sind.
Öffentliche Räume waren 2024 für fast 30 Prozent der Gewalttaten verantwortlich. Doch die als unsicher empfundenen "Angstorte" fallen oft durch sichtbare Unordnung wie Graffiti oder herumstehende Personengruppen auf – nicht unbedingt durch hohe Kriminalitätsraten. Bahnhöfe bilden hier eine Ausnahme: Hier decken sich subjektive Ängste und tatsächliche Straftatenstatistiken stärker.
Die Kluft zwischen wahrgenommener und realer Sicherheit bleibt groß. Zwar ereignen sich die meisten Gewaltdelikte im öffentlichen Raum, doch die am meisten gefürchteten Orte sind nicht zwangsläufig die gefährlichsten. Faktoren wie Beleuchtung, Besucherdichte und das soziale Umfeld prägen diese Wahrnehmung weit stärker als reine Kriminalitätsdaten.






