Zuckersteuer ab 2028: Warum die Regierung trotz Zweifeln an der Wirkung festhält
Siglinde WerneckeZuckersteuer ab 2028: Warum die Regierung trotz Zweifeln an der Wirkung festhält
Die deutsche Bundesregierung plant die Einführung einer neuen Steuer auf zuckerhaltige Getränke ab 2028. Mit der Maßnahme soll der Zuckerkonsum gesenkt und gleichzeitig jährlich schätzungsweise 450 Millionen Euro eingenommen werden. Doch Branchenverbände und widersprüchliche Daten zur Zuckerreduktion haben eine Debatte über die Wirksamkeit des Vorhabens entfacht.
Nach dem vorgeschlagenen System blieben Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter steuerfrei. Bei einem Zuckergehalt von fünf bis acht Gramm würde eine Abgabe von 26 Cent pro Liter fällig, während stark zuckerhaltige Getränke mit 32 Cent belastet würden. Die Steuer folgt auf jahrelange Bemühungen der Regierung, den Zuckerkonsum zu verringern – allerdings mit uneinheitlichen Ergebnissen.
Noch 2024 hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Rückgang des Zuckeranteils in Erfrischungsgetränken um 15 Prozent seit 2018 behauptet. Doch ein interner Bericht zeigte, dass die tatsächliche Reduktion nur 9,1 Prozent betrug. Die 15-Prozent-Angabe bezog sich lediglich auf einen gewichteten Durchschnitt der marktführenden Produkte, nicht auf das gesamte untersuchte Sortiment. Experten stellten zudem fest, dass sich der Zuckergehalt in gesüßten Erfrischungsgetränken im selben Zeitraum kaum verändert hatte.
Besonders problematisch entwickelte sich die Situation bei Getränken, die sich gezielt an Kinder richten. Studien ergaben, dass herkömmliche Erfrischungsgetränke in kindgerechter Verpackung 2024 sogar 23 Prozent mehr Zucker enthielten als noch 2019. Selbst in der Zusammenfassung des Ministeriums wurde die 15-Prozent-Angabe als unsicher bezeichnet – mit Verweis auf Mängel bei der Stichprobenauswahl und der Methodik.
Der Widerstand gegen die geplante Steuer wächst: Die Zucker- und Getränkeindustrie lobbyiert aktiv dagegen. Kritiker argumentieren, dass die Maßnahme Unternehmen belasten könnte, ohne garantierte gesundheitliche Vorteile zu bringen.
Die Abgabe soll 2028 in Kraft treten und gestaffelt nach Zuckergehalten erhoben werden. Falls wie geplant umgesetzt, würde sie zwar Hundertmillionen an Einnahmen generieren – doch ob finanzielle Anreize den Zuckerkonsum tatsächlich senken können, bleibt fraglich. Die eigenen Daten der Regierung deuten darauf hin, dass freiwillige Maßnahmen bisher nur begrenzt gewirkt haben.






