Arbeitsplatzkontrollen in Sachsen-Anhalt brechen ein – nur noch alle 90 Jahre eine Prüfung
Lilian BarthArbeitsplatzkontrollen in Sachsen-Anhalt brechen ein – nur noch alle 90 Jahre eine Prüfung
Arbeitsplatzkontrollen in Sachsen-Anhalt seit 2022 stark rückläufig
Trotz eines leichten Anstiegs im vergangenen Jahr sind die Arbeitsplatzkontrollen in Sachsen-Anhalt seit 2022 deutlich zurückgegangen. Die Finanzkontrolle illegaler Beschäftigung (FKS) führte 2025 insgesamt 691 Prüfungen durch – nach 677 im Jahr 2024, aber weit unter den 1.598 Kontrollen von drei Jahren zuvor. Dieser Rückgang fällt in eine Phase, in der die Region sich auf die Erhöhung des Mindestlohns auf 14,60 Euro im Jahr 2027 vorbereitet.
Die Kontrolldichte in Sachsen-Anhalt liegt derzeit bei nur noch 42,4 Prozent des Niveaus von 2022. Damals wurden Unternehmen deutlich häufiger überprüft als heute. Aktuell muss ein durchschnittlicher Betrieb statistisch gesehen nur alle 90 Jahre mit einer Zollkontrolle rechnen.
Besonders selten sind die Überprüfungen in der Landwirtschaft. 2025 wurden lediglich neun der 2.105 Betriebe in der Region kontrolliert – ein typischer Hof müsste demnach alle 234 Jahre mit einer Inspektion rechnen. Diese geringe Kontrolldichte steht im Kontrast zu anhaltenden Bedenken hinsichtlich fairer Bezahlung.
Aktuelle Lohndaten zeigen, dass 23,3 Prozent aller Beschäftigten in Sachsen-Anhalt weniger als 15 Euro pro Stunde verdienen. In nicht tarifgebundenen Betrieben ist der Anteil noch höher: Hier erhalten 35 Prozent der Mitarbeiter weniger als diesen Betrag. Der gesetzliche Mindestlohn liegt derzeit bei 13,90 Euro, soll aber 2027 auf 14,60 Euro steigen.
Auch die Zahl der Unternehmen in der Region ist gesunken: von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025. Dieser Rückgang fließt in die Debatten über wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Arbeitsstandards mit ein.
Die geplante Mindestlohnerhöhung 2027 wird voraussichtlich die Diskussionen über faire Bezahlung und die Wirksamkeit der Kontrollen neu entfachen. Angesichts historisch niedriger Inspektionszahlen und eines beträchtlichen Anteils von Beschäftigten, die nahe am Mindestlohn verdienen, bleibt das Thema ein zentraler Diskussionspunkt. Die schrumpfende Zahl der Unternehmen in der Region prägt zusätzlich den Kontext dieser anhaltenden Debatten.






