22 March 2026, 02:19

BP verkauft Gelsenkirchener Raffinerie und treibt radikale Umstrukturierung voran

Liniendiagramm, das die Wertminderungen von Vermögenswerten für Ölunternehmen zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

BP verkauft Gelsenkirchener Raffinerie und treibt radikale Umstrukturierung voran

BP hat sich bereit erklärt, seine Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group zu verkaufen. Die Transaktion umfasst die Übernahme von rund 1.800 Mitarbeitern sowie eine Anlage mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von 12 Millionen Tonnen Rohöl. Gleichzeitig treibt das Unternehmen seine umfassende Umstrukturierung voran, während die Ölpreise stark anziehen.

Der Verkauf des Standorts Gelsenkirchen ist Teil von BPs laufender Desinvestitionsstrategie, mit der bis 2027 insgesamt 20 Milliarden US-Dollar erlöst werden sollen. Bisher hat das Unternehmen durch Vermögensverkäufe – einschließlich dieser jüngsten Vereinbarung – bereits über 11 Milliarden US-Dollar eingespielt. Analysten schätzen, dass das Raffineriegeschäft bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten aus BPs Bilanz nehmen könnte.

Die Umstrukturierung bei BP begann Anfang 2025 unter dem damaligen CEO Murray Auchincloss, der den Fokus stärker auf erneuerbare Energien lenkte. Seitdem ist der Marktwert des Unternehmens jedoch um etwa 14 Prozent gesunken – von rund 95 Milliarden US-Dollar im März 2025 auf 82 Milliarden US-Dollar im März 2026. Rückläufige Ölpreise, schwache Quartalsgewinne und Bedenken der Anleger wegen des zögerlichen Energiewandels haben zu diesem Rückgang beigetragen.

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Trotz der jüngsten Herausforderungen hat sich die BP-Aktie seit Jahresbeginn um über 27 Prozent erholt und schloss am Freitag bei 6,45 Euro – wenn auch mit einem leichten Tagesrückgang. Die Bank HSBC reagierte auf den Raffinerieverkauf mit einer Hochstufung der BP-Aktie von "Reduce" auf "Hold" und erhöhte zugleich das Kursziel. Dies spiegelt ein wachsendes Vertrauen in die finanzielle Strategie des Konzerns wider.

Die globalen Ölmärkte bleiben volatil. Blockaden in der Straße von Hormus haben den Preis für Brent-Rohöl auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel getrieben und die Lieferketten unter Druck gesetzt. Als Reaktion darauf erließ die US-Regierung eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung vom Jones Act, um die Treibstoffverteilung zu erleichtern. BP seinerseits beschleunigt unterdessen die interne Umstrukturierung, um von den hohen Ölpreisen zu profitieren.

Zudem kommt es zu arbeitsrechtlichen Spannungen: Nach dem Scheitern von Tarifverhandlungen wurden rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte der BP-Raffinerie in Whiting, Indiana, ausgeschlossen. Der Konflikt unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen, mit denen das Unternehmen bei der Neuausrichtung seiner Geschäfte konfrontiert ist.

Der Verkauf der Gelsenkirchener Raffinerie markiert einen wichtigen Schritt in BPs 20-Milliarden-US-Dollar-Desinvestitionsplan. Die Transaktion verringert die Verbindlichkeiten und stärkt die finanzielle Position des Konzerns in einer Phase steigender Ölpreise. Während die Umstrukturierung voranschreitet und sich die Marktbedingungen wandeln, bleibt BP damit beschäftigt, Kostensenkungen mit den langfristigen Zielen der Energiewende in Einklang zu bringen.

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