Deutsche Nationalbibliothek stoppt dringend benötigte Erweiterung in Leipzig
Siglinde WerneckeKein Erweiterungsgebäude für die Deutsche Nationalbibliothek - Deutsche Nationalbibliothek stoppt dringend benötigte Erweiterung in Leipzig
Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig wird ihre geplante Erweiterung nicht weiterverfolgen. Trotz Warnungen, dass der Lagerplatz am Standort nahezu erschöpft ist, bestätigten Verantwortliche die Entscheidung. Die Bibliothek steht nun vor der Herausforderung, alternative Lösungen für ihre stetig wachsenden Bestände zu finden.
Die Einrichtung archiviert derzeit sämtliche deutschsprachige Publikationen und erhält täglich rund 13.100 neue Werke. Nach geltendem Recht müssen Verlage von jedem gedruckten Werk zwei physische Exemplare abliefern – was die Raumnot zusätzlich verschärft.
Die Erweiterung sollte langfristig Platz für Bücher, Medien und weitere Archivgüter schaffen. Da die Kapazitäten in Leipzig jedoch fast ausgereizt sind, hat die Bibliothek bereits damit begonnen, Teile ihrer Bestände an den zweiten Standort in Frankfurt auszulagern. Diese Übergangslösung behebt allerdings nicht das grundsätzliche Problem des begrenzten Platzes.
Sieben Millionen Euro waren bereits in die Planung des nun gestoppten Projekts geflossen. Auch alternative Maßnahmen zur Bewältigung der Platzknappheit würden erhebliche finanzielle Mittel erfordern. Die Bibliothek kritisierte die Entscheidung scharf und betonte, dass die Erweiterung unverzichtbar für die Bewahrung des kulturellen und geistigen Erbes Deutschlands sei.
Kulturminister Wolfram Weimer schlägt vor, stärker auf digitale Archivierung zu setzen, um die physische Lagerung zu entlasten. Sein Plan sieht vor, die Pflichtabgabe von zwei auf ein physisches Exemplar zu reduzieren und – wo möglich – ausschließlich digitale Einreichungen zu akzeptieren. Die Deutsche Nationalbibliografie erfasst seit 1913 Druckwerke, Bild- und Tonpublikationen, doch die genauen jährlichen Sammelzahlen bleiben ungenannt. 2012 stellte die Deutsche Digitale Bibliothek rund 5,6 Millionen digitale Objekte zur Verfügung, mit dem Ziel, künftig bis zu 30.000 Einrichtungen in die Digitalisierungsbemühungen einzubinden.
Ohne die Erweiterung bleibt der Bibliothek nun nur die Verlagerung von Beständen oder die Einführung neuer Archivierungsmethoden. Weimers Initiative für digitale Pflichtabgaben könnte den Bedarf an physischem Lagerraum langfristig verringern. Vorerst jedoch droht den Leipziger Sammlungen durch die Absage eine weitere Zunahme der Überbelegung.