16 March 2026, 06:21

Warum Eltern heute das Geschlecht ihres Kindes bereuen – und was das über uns verrät

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer Mutter und eines Kindes, die sich umarmen, wobei die Mutter ihren Arm um die Schulter des Kindes legt und beide sanfte und zufriedene Ausdrücke zeigen, vor neutralem Hintergrund.

Ein Junge? - Warum einige Eltern damit hadern - Warum Eltern heute das Geschlecht ihres Kindes bereuen – und was das über uns verrät

Ein wachsender Trend in den sozialen Medien wirft ein überraschendes Problem auf: Manche Eltern sind enttäuscht vom Geschlecht ihres ungeborenen Kindes. Der Hashtag #GenderDisappointment (etwa: Enttäuschung über das Geschlecht) spiegelt diese Stimmung wider und offenbart tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen. Auch in Deutschland haben sich seit den 1990er-Jahren die akademischen und verhaltensbezogenen Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen dramatisch gewandelt – heute schneiden Mädchen in der Bildung deutlich besser ab als Jungen.

Jahrzehntelang lagen Jungen in schulischen Leistungen und Hochschulabschlüssen vorn. Doch bis 2023 hat sich das Blatt gewendet: Mädchen erzielen höhere Abitur-Quoten (46 Prozent im Vergleich zu 38 Prozent bei Jungen) und stellen mittlerweile über 50 Prozent der Hochschulabsolventen. Faktoren wie geringere Motivation, Disziplinprobleme und der Druck, sich an Klischees wie "Jungen weinen nicht" zu halten, tragen dazu bei, dass Jungen zurückfallen. Mädchen wiederum kämpfen mit eigenen Herausforderungen, darunter höhere Raten an Angststörungen und Depressionen, obwohl bei ihnen seltener ADHS diagnostiziert wird als bei Jungen.

Eltern heute haben oft starre Erwartungen und wünschen sich Kinder, die sich nahtlos in ihren Lebensstil einfügen. Studien deuten sogar auf eine kulturelle Bevorzugung von Töchtern in westlichen Gesellschaften hin – verbunden mit Vorurteilen, Mädchen seien anpassungsfähiger, fürsorglicher und fleißiger. Jungen gelten dagegen häufig als wild und akademisch weniger erfolgreich. Zwar sind Mädchen in Lesekompetenz überlegen, doch in Mathematik liegen Jungen noch leicht vorn – dennoch werden weniger Mädchen für höhere Bildungswege empfohlen, und sie brechen die Schule häufiger vorzeitig ab.

Trotz dieser bildungspolitischen Fortschritte verdienen Frauen nach wie vor weniger pro Stunde als Männer. Viele arbeiten in schlechter bezahlten Jobs oder reduzieren ihre Stunden, um Kinderbetreuung und Pflegeaufgaben zu bewältigen. Zwar übernehmen Frauen häufiger die Betreuung von Familienmitgliedern mit gesundheitlichen Problemen, doch eine Tochter garantiert noch lange keine Unterstützung für alternde Eltern.

Die Kluft zwischen Jungen und Mädchen in der Bildung hat sich vergrößert – Mädchen führen mittlerweile in schulischem und akademischem Erfolg. Doch Trends wie #GenderDisappointment zeigen, dass alte Präferenzen und Klischees weiterbestehen. Gleichzeitig bleiben wirtschaftliche Ungleichheiten und Care-Arbeit ungelöst – ein Beweis dafür, dass Fortschritt in einem Bereich andere Herausforderungen nicht einfach aus der Welt schafft.

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