Energiekrise spitzt sich zu: Niedersachsens Ministerpräsident warnt vor Gasmangel und explodierenden Spritpreisen
Lilian BarthOlaf Lies fordert Maßnahmen gegen hohe Energiepreise - Energiekrise spitzt sich zu: Niedersachsens Ministerpräsident warnt vor Gasmangel und explodierenden Spritpreisen
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat dringende Sorgen über die sich verschärfende Energiekrise in Deutschland geäußert. Angesichts gefährlich niedriger Gasreserven und steigender Spritpreise fordert er sowohl von der Industrie als auch von der Bundesregierung sofortiges Handeln. Seine Warnungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die globalen Versorgungsrisiken zunehmen – insbesondere vor dem Hintergrund möglicher Konflikte mit Beteiligung des Iran.
Die Gasspeicher in Deutschland sind Stand 20. Februar 2026 nur noch zu 20,7 Prozent gefüllt. Das ist ein drastischer Rückgang im Vergleich zu 44 Prozent am selben Tag des Vorjahres und liegt sogar unter dem Tiefstand von 23 Prozent Ende März 2025. Verantwortlich für den Rückgang sind ein hoher Winterverbrauch, sinkende Importe und die Entscheidung, die Füllziele von 90 auf 70 Prozent zu senken. Um das neue Ziel von 70 Prozent bis November 2026 zu erreichen, muss Deutschland etwa 125 Terawattstunden (TWh) sichern – bei aktuellen Preisen ein Volumen von rund 6,25 Milliarden Euro. Die Energieberatungsgruppe Ines fordert zudem eine strategische Reserve von 78 TWh, um gegen Marktversagen und schwankende Flüssigerdgaspreise (LNG) während der Sommerspeicherung gewappnet zu sein.
Lies setzt sich für den Bau eines dritten LNG-Terminals in Wilhelmshaven ein, um die Versorgungsmöglichkeiten zu erweitern. Er betont die Notwendigkeit, die Bezugsquellen zu diversifizieren, und verweist dabei auf Norwegen und die Niederlande als wichtige Partner. Gleichzeitig unterstützt er die inländische Förderung, etwa von Nordsee-Gas, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Einen erneuten Vorstoß in Richtung Kernenergie lehnt er jedoch ab – dies würde seiner Meinung nach sowohl bei der Bevölkerung als auch in der Wirtschaft für Unsicherheit sorgen.
Die stark gestiegenen Spritpreise an den Tankstellen haben die Unzufriedenheit in der Bevölkerung weiter verstärkt. Lies appelliert an die Mineralölkonzerne, gegen die hohen Kosten vorzugehen, und fordert die Bundesregierung auf, alle denkbaren Lösungen zu prüfen. Jedes Szenario müsse auf dem Tisch liegen, um weitere Engpässe zu vermeiden, so der Ministerpräsident.
Mit weniger als einem Viertel Füllstand in den Gasspeichern bleibt die Lage vor dem Winter kritisch. Lies' Forderungen nach neuer LNG-Infrastruktur, diversifizierten Importen und heimischer Förderung zielen darauf ab, die Versorgung zu stabilisieren. Die Bundesregierung steht nun unter Druck, schnell sowohl kurzfristige Maßnahmen als auch langfristige Strategien für die Energiesicherheit umzusetzen.






