Herrenknecht-Chef warnt: Deutschland schläft wie Dornröschen in der Bürokratie-Falle
Siglinde WerneckeHerrenknecht-Chef warnt: Deutschland schläft wie Dornröschen in der Bürokratie-Falle
Martin Herrenknecht, Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG, hat drastische Warnungen vor der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands ausgesprochen. Der Chef des weltweit führenden Tunnelvortriebsunternehmens bezeichnete das Land als in einem „Dornröschen-Schlaf“ gefangen, gelähmt von Bürokratie und zögerlichen Entscheidungsprozessen. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der ein großes Logistikprojekt in Baden-Württemberg nach dreieinhalb Jahren Planung immer noch auf der Stelle tritt – während ein vergleichbares Vorhaben in Indien bereits innerhalb von nur drei Monaten genehmigt wurde.
Das in Schwanau ansässige Unternehmen Herrenknecht beschäftigt weltweit rund 5.500 Mitarbeiter und dominiert den Markt für Tunnelbohrmaschinen. Es war maßgeblich an bedeutenden europäischen Infrastrukturprojekten beteiligt, darunter der Gotthard-Basistunnel, der Brenner-Basistunnel und der Ausbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes im Rahmen von Stuttgart 21. Dennoch behauptet der CEO, dass er sein Unternehmen unter den heutigen Bedingungen in Deutschland aufgrund der erstickenden Regulierungsflut nicht mehr gründen könnte.
Er kritisierte einen von ihm wahrgenommenen kulturellen Wandel und bezeichnete die Deutschen als eine „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“. Die Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten, so Herrenknecht, seien symptomatisch für tiefgreifendere Probleme. Während das Logistikzentrum in Chennai innerhalb weniger Monate vorankam, steckt das Pendant in Baden-Württemberg weiterhin in endlosen Planungsverfahren fest.
Herrenknechts Frustration beschränkt sich jedoch nicht auf die Bürokratie. Er warnte, dass Deutschland ohne dringende Reformen im Jahr 2023 „direkt gegen die Wand fahre“. Seine Aussagen spiegeln die wachsende Sorge unter Unternehmensführern wider, dass das Land seine globale Wettbewerbsfähigkeit verliert.
Die Warnungen des CEO zielen auf überlange Genehmigungsverfahren und regulatorische Hürden als zentrale Hindernisse ab. Sein Vergleich zwischen Deutschland und Indien unterstreicht die Effizienzlücke. Angesichts blockierter Schlüsselprojekte und zunehmender Herausforderungen für Unternehmen wächst der Druck auf notwendige Veränderungen.






