IHK Halle-Dessau stellt sechs Forderungen vor der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt
Siglinde WerneckeIHK Halle-Dessau stellt sechs Forderungen vor der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau hat vor der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt ihre zentralen Forderungen vorgelegt. In einem am 25. März verabschiedeten Positionspapier benennt die Kammer sechs Kernbereiche: die Sicherung von Fachkräften, die Verbesserung der Bildung, die Förderung von Innovation, den Ausbau des internationalen Handels, den Abbau von Bürokratie sowie die Modernisierung der Energie- und Infrastrukturpolitik. Unternehmensvertreter fordern nun, dass diese Prioritäten die anstehende politische Debatte prägen.
Bisher haben sich in Sachsen-Anhalt weder Parteien noch Kandidaten öffentlich zu den IHK-Vorschlägen zu Energiepolitik, Bürokratieabbau oder Arbeitsmarktreformen geäußert. Die Kammer plant, sich direkt an Entscheidungsträger und Wähler zu wenden, um sicherzustellen, dass wirtschaftliche Belange im Wahlkampf im Mittelpunkt bleiben.
An erster Stelle steht für die IHK die Bewältigung des Fachkräftemangels in der Region. Die Kammer plädiert für eine bessere Nutzung des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials, eine Stärkung der beruflichen Ausbildung und weniger Hürden für ausländische Fachkräfte beim Berufseinstieg. Zudem fordert sie eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen, um junge Menschen gezielt auf die regionalen Branchen vorzubereiten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Energiepolitik. Die IHK verlangt eine stabile und bezahlbare Energieversorgung ohne Technologievorgaben. Sie unterstützt Pläne zum Infrastrukturausbau, zur Entwicklung von Wasserstofflösungen und zur Einführung von CO₂-Abscheidung und -Speicherung. Besonders wichtig ist der Kammer, dass Industriestandorte wie das Kraftwerk Schkopau weiterbetrieben werden.
Der Abbau von Bürokratie ist ebenso dringend. Die IHK fordert eine umfassende Überprüfung administrativer Aufgaben sowie klarere gesetzliche Regelungen, um Unternehmen den Arbeitsalltag zu erleichtern. Weniger Bürokratie, so das Argument, setze Ressourcen für Wachstum und Investitionen frei.
Bei der Infrastruktur kritisiert die Kammer lange Verzögerungen in Planung und Finanzierung. Sie schlägt schnellere Genehmigungsverfahren, langfristig gesicherte Budgets und dringende Modernisierungen in den Bereichen Verkehr, digitale Netze und Versorgung vor. Ein wachsender Investitionsstau in diesen Bereichen gefährde sonst die wirtschaftliche Entwicklung, warnt die IHK.
Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) fordert die Kammer zielgenauere Fördermittel und eine stärkere Verzahnung von Forschung und Wirtschaft. Innovationsförderung solle technologieoffen gestaltet werden, um faire Wettbewerbsbedingungen in allen Branchen zu gewährleisten.
Den Abschluss bildet der internationale Handel. Die IHK betont die Notwendigkeit aktiver Unterstützung beim Erschließen neuer Märkte bei gleichzeitiger Pflege offener und diplomatischer Handelsbeziehungen. Unternehmen bräuchten die richtigen Instrumente, um international konkurrenzfähig zu sein – ohne unnötige Hindernisse.
Das Positionspapier der IHK wird nun als wirtschaftspolitischer Leitfaden in den Wahlkampf eingebracht. In den kommenden Monaten will die Kammer mit Parteien, Kandidaten und Wählern im Dialog bleiben, um politische Weichenstellungen im Sinne der Wirtschaft voranzutreiben. Ob die Forderungen jedoch Wahlversprechen oder spätere Gesetzesvorhaben prägen werden, bleibt abzuwarten.






