Lale Tollkiens zerrissene Kindheit: Wie sie das Chaos der 80er in Literatur verwandelte
Joseph KreuselLale Tollkiens zerrissene Kindheit: Wie sie das Chaos der 80er in Literatur verwandelte
Lale Tollkiens Kindheit im Berlin der 1980er-Jahre war geprägt von Chaos und Vernachlässigung. Aufgewachsen in einer Männer-WG, in der Drogen, Alkohol und revolutionäres Gerede den Alltag bestimmten, erlebte sie von frühester Kindheit an Missbrauch und Instabilität. Jahrzehnte später fand sie Trost im Schreiben und veröffentlichte 2026 ihren Debütroman Mit beiden Händen den Himmel stützen – ein schonungsloser Bericht über Überleben und Widerstandskraft.
Lale kam in eine Welt der Unruhe zur Welt. Ihre Mutter, heroinabhängig, und ihr Vater, ein Kleinkrimineller mit Verbindungen zur linksradikalen APO-Bewegung, boten ihr kaum Halt. Schon mit eineinhalb Jahren hatte sie Rohypnol-Tabletten geschluckt, die in ihrer Reichweite lagen, während ihre Mutter bewusstlos war. Die Behörden griffen ein und brachten sie in staatliche Obhut, während ihr Vater zu dieser Zeit im Gefängnis saß.
Die Wohngemeinschaft, in der Lale einen Großteil ihrer Kindheit verbrachte, war kein sicherer Ort. Frauen kamen und gingen, doch sie blieb – ausgesetzt ständigen Partys, exzessivem Alkoholkonsum und Drogen. Ein Mitbewohner missbrauchte sie sexuell, was das Trauma ihrer Umgebung noch verstärkte. Für kurze Zeit wurde die Schule zu ihrem Rückzugsort, eine Welt, in der sie glänzte – bis die Pubertät ihr Leben in Sucht und instabile Beziehungen stürzte.
Ihr Vater zog schließlich selbst in die WG ein, doch die Atmosphäre blieb explosiv. Trotz aller revolutionären Rhetorik war der Alltag von Exzessen und Gleichgültigkeit geprägt. Lales Sehnsucht nach Geborgenheit blieb lange unerfüllt – bis sie Jahre später im Erzählenden eine Möglichkeit fand, sich ihre Vergangenheit zurückzuerobern.
Tollkiens 2026 erschienener Roman legt die harte Realität ihrer Kindheit schonungslos offen. Er zeichnet ihren Weg von einer grenzenlosen Jugend zu einer mühsam erkämpften Stabilität durch das Schreiben nach. Das Buch ist zugleich eine persönliche Abrechnung und ein Beweis für die heilende Kraft der Erzählung im Umgang mit Trauma.






