25 March 2026, 04:20

Neslihan Arols feministische Meddah-Kunst entzündet Berlins Bühnen

Eine Frau in einem rosafarbenen Kleid mit zurückgebundenem Haar, die direkt in die Kamera schaut, auf dem Cover eines Magazins mit der Aufschrift "Le Theatre".

Neslihan Arols feministische Meddah-Kunst entzündet Berlins Bühnen

Neslihan Arol, eine türkisch-deutsche Künstlerin, bringt ihr lebendiges und politisches Erzähltheater ins Berliner Bavul Café in Kreuzberg. In ihrer neuesten Meddah-Performance verbindet sie Humor, Feminismus und mehrsprachigen Witz – und stellt dabei traditionelle Machtstrukturen infrage.

Die Show, verwurzelt in osmanischen Erzähltraditionen, spielt mit Deutsch, Türkisch und Englisch, während Arol Geschichten über Geschlecht, Migration und Identität spinnt. Ihr Weg auf die Bühne war alles andere als geradlinig. Ursprünglich studierte sie Chemieingenieurwesen, doch ihr Vater riet ihr früh von der Schauspielerei ab. Doch ihre Leidenschaft für die Bühne blieb. 2014 zog sie nach Berlin, um sich acht Jahre lang intensiv mit Comedy, Clownerie, Stand-up und der Kunst des Meddah auseinanderzusetzen.

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Ihre Arbeit ist ein feministische Experiment. Schon ihre erste große wissenschaftliche Arbeit widmete sie Clowns aus feministischer Perspektive – frustriert über das Fehlen witziger Frauenrollen im klassischen Theater. Auf der Bühne bricht sie Konventionen, entlarvt Machtverhältnisse mit scharfem Humor und mutigem Storytelling.

Im Zentrum ihrer Aufführung steht eine kleine Flamme. Sie symbolisiert Geschichten, die im Moment entstehen und durch das Erzählen lebendig werden. Die Kerze verweist auch auf die Menschlichkeit der Meddah-Künstler:innen – eine Tradition, die sie ehrt, während sie Grenzen überschreitet. Einst nutzte sie eine alte Gaslampe für das Teelicht, stieg aber nach einem Beinahe-Unfall auf eine sicherere Kerze um.

Arols Ansatz spiegelt Berlins lebendige postmigrantische Theaterszene wider. Wie das SAAL3-Kollektiv von Nuray Demir oder die weiblichen Rap-Performances von Michaela Kasper verbindet sie multikulturelle Themen mit mutiger politischer Kommentierung. Spielstätten wie das Ballhaus Naunynstraße und das HAU zeigten bereits ihre Soloprogramme, darunter Meddahhane, in dem sie das Erzähltheater für ein modernes Publikum neu definiert.

Wenn die Vorstellung endet, bläst sie die Kerze aus und verabschiedet sich. Das Publikum geht mit ihrem Versprechen: Sie will bald mit neuen Geschichten zurückkehren. Arols Meddah-Auftritte schaffen Raum für feministische, mehrsprachige Erzählungen in Berlins Kunstszene. Indem sie Tradition mit radikalem Experiment verbinden, gibt sie marginalisierten Perspektiven eine Stimme. Ihr nächstes Programm wird wohl noch mehr Geschichten bringen – erleuchtet von derselben flackernden Flamme.

Quelle