12 April 2026, 02:26

Saisonarbeiter in Deutschland: Ausgebeutet, ungeschützt und ohne Perspektive

Plakat mit einem britischen Granitarbeiter vor einem Bergpanorama mit Bäumen, auf dem steht: "Was unser freier Handel bedeutet - Britischer Granitarbeiter - Die faire Lohnklausel ist in Ordnung, aber ich will Arbeit."

Saisonarbeiter in Deutschland: Ausgebeutet, ungeschützt und ohne Perspektive

Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft sind trotz jüngster Reformen weiterhin extremer Ausbeutung ausgesetzt. Untersuchungen förderten illegale Lohnkürzungen, überlange Arbeitszeiten und menschenunwürdige Wohnverhältnisse auf zahlreichen Höfen zutage. Das Problem scheint flächendeckend – mit kaum wirksamen Kontrollen zum Schutz der besonders verletzlichen Beschäftigten.

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Eine aktuelle Erhebung zeigte, dass Arbeiter bis zu 70-Stunden-Wochen leisten, während sie in beengten, überteuerten Unterkünften untergebracht sind. In Hessen wurde ein 15-Quadratmeter-Seecontainer für über 2.000 Euro monatlich vermietet. Bei manchen Beschäftigten wurden zudem fast 1.000 Euro unrechtmäßig vom Lohn einbehalten.

Der Agrarsektor beschäftigt rund 243.000 Saisonkräfte, wobei genaue Zahlen und Herkunftsländer oft im Dunkeln bleiben. Zwar sieht ein neuer Tarifvertrag eine Lohnerhöhung von etwa 10 Prozent über 33 Monate vor, doch ungelernte Saisonarbeiter erhalten in den ersten vier Monaten weiterhin nur den gesetzlichen Mindestlohn. Gleichzeitig verlängerte ein jüngstes Gesetz die sozialabgabenfreien Kurzzeitverträge von 70 auf 90 Tage – viele bleiben damit ohne grundlegende Absicherung.

Die Zahl der Kontrollen brach ein: von knapp 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024. Der Deutsche Bauernverband fordert nun einen 20-prozentigen Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte – ein Vorhaben, das von Teilen der Politik unterstützt wird.

Die dokumentierten Missstände deuten auf ein systemisches Versagen beim Schutz der Landarbeiter hin. Bei rückläufigen Kontrollen und ausgehöhlten Arbeitnehmerrechten droht sich die Ausbeutung weiter zu verfestigen. Die Abhängigkeit des Sektors von Saisonkräften bleibt ungebrochen, während Forderungen nach Lohnkürzungen die Krise noch verschärfen könnten.

Quelle