15 April 2026, 08:22

Verbotene Pestizide gegen Zikaden: Warum Landwirte trotz Risiken zu Chemiekeulen greifen

Ein altes Buch mit einer Zeichnung einer Heuschrecke auf dem Cover, das Text enthält.

Verbotene Pestizide gegen Zikaden: Warum Landwirte trotz Risiken zu Chemiekeulen greifen

Landwirte in Deutschland setzen vermehrt auf verbotene Pestizide gegen Zikaden – trotz Umweltbedenken

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Immer mehr Landwirte in Deutschland greifen zu verbotenen Pestiziden, um die Ausbreitung der Schilfzikade (Hyalesthes obsoleta) einzudämmen – obwohl die Umweltfolgen zunehmend in der Kritik stehen. Die Insekten übertragen Pflanzenerkrankungen, die wichtige Kulturen wie Zuckerrüben und Kartoffeln schädigen und die Bauern damit in die chemische Schädlingsbekämpfung drängen. Doch gerade diese Mittel, darunter Neonikotinoide, gefährden auch Bestäuberinsekten, indem sie Pollen und Nektar verunreinigen.

Die Schilfzikade hat sich in modernen Anbausystemen mit Monokulturen und kurzen Fruchtfolgen stark verbreitet. Die Schädlinge übertragen Krankheitserreger, die die Erntequalität mindern und Landwirten finanzielle Verluste bescheren. Da sich die Krankheiten nicht direkt behandeln lassen, bleiben chemische Bekämpfungsmethoden oft die einzige Abwehrmaßnahme.

Notfallzulassungen für in der EU eigentlich verbotene Neonikotinoide sind im Kampf gegen die Zikaden mittlerweile an der Tagesordnung. Die Landwirte argumentieren, dass strenge Qualitätsstandards und enge Erntefenster ihnen kaum Alternativen lassen. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), warnt, dass ohne chemischen Pflanzenschutz der Anbau einiger Grundnahrungsmittel in Deutschland langfristig unwirtschaftlich werden könnte.

Agroökologische Lösungen wie längere Fruchtfolgen oder Mischkulturen existieren zwar, werden aber kaum umgesetzt. Die Dominanz globaler Lieferketten und standardisierter Verarbeitungsprozesse steht solchen Veränderungen im Weg. Gleichzeitig fordert der DBV, den Einfluss des Umweltbundesamtes auf die Pestizidzulassung zu verringern, und verweist auf den Verlust wirksamer Wirkstoffe.

Kritiker sehen darin ein Zeichen dafür, dass die industrielle Landwirtschaft an ihre Grenzen stößt – wo wirtschaftliche Zwänge auf ökologische Realitäten prallen. Die Natur folgt eigenen Regeln, während gewinnorientierte Systeme sich nur schwer anpassen können.

Die Debatte zeigt das Spannungsfeld zwischen landwirtschaftlicher Produktivität und Umweltschutz. Einerseits sind Bauern auf Pestizide angewiesen, um ihre Erträge zu sichern, andererseits schaden diese Chemikalien weiterhin Bestäubern und Ökosystemen. Solange kein rascher Wandel hin zu nachhaltigen Anbaumethoden erfolgt, wird die Abhängigkeit von Notfallzulassungen für Pestizide voraussichtlich bestehen bleiben.

Quelle