Hunderte protestieren in Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Übergriffe
Artur HofmannHunderte protestieren in Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Übergriffe
Hunderte Demonstrant:innen trotzten am Sonntag kaltem und regnerischem Wetter, um sich im Bonner Stadtzentrum zu versammeln. Die Kundgebung gegen sexualisierte Gewalt folgte einem größeren Marsch in Köln am Vortag, bei dem über 5.000 Menschen auf die Straße gegangen waren. Beide Veranstaltungen spiegeln die wachsende öffentliche Besorgnis über digitale Gewalt und geschlechtsspezifische Übergriffe in Deutschland wider.
Die Protestaktion in Bonn wurde von einem breiten Bündnis aus Stadtratsparteien organisiert, darunter die Grünen, CDU, SPD und Volt. Über 500 Menschen versammelten sich vor dem Alten Rathaus am Marktplatz. Einige Demonstrant:innen buhten weibliche CDU-Politikerinnen der Frauen-Union aus, als diese über strengere Schutzmaßnahmen für Frauen sprachen.
Die Kundgebung fand statt, nachdem eine aktuelle Der Spiegel-Recherche die Debatte über digitale Gewalt neu entfacht hatte. Der Fall betraf die Schauspielerin Collien Fernandes und den Schauspieler Christian Ulmen, der erstmals Anfang 2026 bekannt geworden war. Seither hat die Bundesregierung elektronische Überwachung für gewalttätige Ex-Partner eingeführt, Gesetze gegen nicht einvernehmliche Deepfakes ausgearbeitet und psychologische Betreuung an Schulen vorgeschlagen. Die grüne Politikerin Ricarda Lang setzt sich zudem für ein Verbot von "Nacktbild"-Apps und schärfere Strafen für Deepfake-Ersteller ein.
Auf der Demonstration forderten Redner:innen Männer auf, frauenfeindliche Einstellungen zu hinterfragen und Verantwortung für die Gewaltprävention zu übernehmen. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, sich nicht stärker für strengere Schutzmaßnahmen einzusetzen. Das Thema findet im Rheinland großen Anklang – sowohl in Köln als auch in Bonn waren die Teilnehmerzahlen hoch.
Die Demonstrationen in Köln und Bonn unterstreichen die öffentliche Forderung nach entschlossenerem Vorgehen gegen sexualisierte Gewalt. Neue Gesetze zu digitaler Misshandlung und psychologischer Unterstützung sind bereits auf den Weg gebracht. Doch die Protestierenden bestehen darauf, dass mehr getan werden muss, um die Ursachen von Frauenfeindlichkeit zu bekämpfen und gefährdete Personen zu schützen.






