Syriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung oder leere Diplomatie?
Joseph KreuselSyriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung oder leere Diplomatie?
Ahmed al-Scharaa, Syriens kommissarischer Präsident, befindet sich derzeit auf Besuch in Berlin. Die Reise löst in der Zivilgesellschaft gemischte Reaktionen aus: Einige begrüßen den diplomatischen Schritt, fordern jedoch gleichzeitig stärkere Verpflichtungen zur Demokratieförderung.
Die Einladung al-Scharaas nach Deutschland bezeichnete Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende von Adopt a Revolution, als "richtigen Schritt". Gleichzeitig betonte sie, dass jede Zusammenarbeit klare Bedingungen für den Aufbau demokratischer Strukturen beinhalten müsse. Ihre Organisation unterstützt die syrische Zivilgesellschaft seit 2011, warnt jedoch vor einem wachsenden Autoritarismus innerhalb der Übergangsregierung.
Bischoff kritisierte zudem Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, deutsche Unterstützung an die Wiederaufnahme von Abschiebungsabkommen zu knüpfen. Den Zusammenbruch des Assad-Regimes im Dezember 2024 nannte sie eine "historische Chance" für demokratische Reformen – doch die internationale Gemeinschaft habe bisher versagt, konkrete Maßnahmen umzusetzen. Bisher gebe es weder klare Pläne für einen demokratischen Wandel in Syrien noch ausreichende Unterstützung für die Zivilgesellschaft.
Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves äußerte Bedenken, dass Berlin ausschließlich mit der Übergangsregierung zusammenarbeite und lokale Gemeinschaften ausschließe. Adopt a Revolution hingegen fordert eine stärkere Einbindung der syrischen Zivilgesellschaft in den Wiederaufbau. Zudem verlangen sie bessere rechtliche Absicherungen für Syrer:innen in Deutschland, die in ihre Heimat zurückkehren möchten.
Die Schweiz hat erst kürzlich, Stand 16. März 2026, ihre humanitäre Hilfe für Syrien aufgestockt. Wie andere Länder auch hat sie jedoch keine gezielten Maßnahmen ergriffen, um Demokratie oder zivilgesellschaftliche Gruppen vor Ort zu stärken.
Der Besuch al-Scharaas unterstreicht die anhaltenden Debatten über die Zukunft Syriens. Zwar signalisiert die Reise diplomatische Fortschritte, doch Führungspersönlichkeiten der Zivilgesellschaft bestehen auf breiterer Teilhabe und wirksameren Schutzmechanismen gegen autoritäre Tendenzen. Ohne konkrete internationale Unterstützung, so ihre Warnung, bleibe der demokratische Wandel in Syrien ungewiss.






