"Wir wollten weg": Ein Memoir enthüllt das Leid unter der DDR-Diktatur und den Kampf um Gerechtigkeit
Lilian Barth"Wir wollten weg": Ein Memoir enthüllt das Leid unter der DDR-Diktatur und den Kampf um Gerechtigkeit
Ein neues Memoir von Peter Niebergall wirft ein Licht auf die harte Realität des Lebens unter dem DDR-Regime."Wir wollten weg" erzählt vom Kampf seiner Familie gegen das unterdrückerische System der DDR – von Verhaftung und Haft bis hin zum späteren Ringen um Gerechtigkeit nach der Wiedervereinigung. Das Buch untersucht zudem, wie sich das wiedervereinigte Deutschland mit dem Erbe seiner zweiten Diktatur auseinandergesetzt hat.
Niebergalls Geschichte beginnt 1968, als er die sowjetische Invasion in der Tschechoslowakei während des Prager Frühlings miterlebte. Jahrzehnte später, in den 1980er-Jahren, beantragten er und seine Frau Heidi die Ausreise in die Bundesrepublik – eine Entscheidung, die sie zu Zielen des Staates machte. Am 6. August 1983 wurden das Ehepaar und andere Bürgerrechtler von der Stasi festgenommen. Ihnen wurde "staatsfeindliche Hetze" vorgeworfen, angeklagt von Ekkehard Kaul, einem Staatsanwalt, der dem SED-Regime treu ergeben war.
Das Bezirksgericht Berlin-Pankow verurteilte Peter Niebergall am 27. Oktober 1983 zu einem Jahr und zwei Monaten Haft. Sein Fall war einer von vielen, in denen die DDR das Justizsystem nutzte, um oppositionelle Stimmen zum Schweigen zu bringen. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 änderte sich die politische Landschaft. Der Einigungsvertrag von 1990 erweiterte das westdeutsche Strafrecht auf Verbrechen, die in der ehemaligen DDR begangen worden waren, und ebnete so den Weg für Prozesse gegen Funktionäre wie Kaul.
1996 wurde Kaul erstmals wegen seiner Rolle bei Misshandlungen in Jugendhaftanstalten, darunter Torgau, angeklagt. Am 20. November 1998 verurteilte ihn dann das Landgericht Berlin zu einem Jahr und drei Monaten Haft wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung. Diese Verurteilungen stützten sich auf Gesetze wie § 17 StGB (Mord), das Stasi-Unterlagengesetz und das Rehabilitierungsgesetz, die Opfern des Regimes Entschädigung ermöglichten.
Niebergalls Memoir "Wir wollten weg" dokumentiert nicht nur persönliches Leid, sondern auch die systematischen Repressionsmechanismen der DDR. Die juristische Aufarbeitung von Tätern wie Kaul zeigte, wie das wiedervereinigte Deutschland nach Verantwortung für vergangene Unrechte strebte. Das Buch bleibt ein Zeugnis von Widerstand und den langfristigen Folgen autoritärer Herrschaft.






