"Bild-Dichter" Franz Josef Wagner und Underground-Legende Alfred Hilsberg gestorben

Lilian Barth
Lilian Barth
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Ein Plakat mit einem Porträt eines Menschen mit kurzen, dunklen Haaren und einem ernsten Gesichtsausdruck, der ein weißes Hemd trägt, mit der schwarzen, fetten Schrift "Pan: Ein Satire-Journal" in der Mitte auf einem weißen Hintergrund.Lilian Barth

"Bild-Dichter" Franz Josef Wagner und Underground-Legende Alfred Hilsberg gestorben

Franz Josef Wagner, der langjährige Nachrichten-Kolumnist und als "Bild-Dichter" bekannte Chronist, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Seine Karriere umfasste Jahrzehnte, in denen sich sein Schreiben von unterhaltsamem Prominentenklatsch zu immer umstritteneren politischen Kommentaren wandelte. In den 2010er-Jahren zog sein Werk scharfe Kritik auf sich – wegen seines rechtspopulistischen Tons und seiner Nähe zu populistischen Bewegungen.

Auch Alfred Hilsberg, eine prägende Figur der Hamburger Underground-Szene, starb kürzlich mit 77 Jahren. Obwohl ihre Welten kaum unterschiedlicher hätten sein können, hinterließen beide Männer deutliche Spuren in der deutschen Kultur – Wagner durch die Massenmedien, Hilsberg als Gegenkultur-Ikone.

Wagner begann 2001 mit seinen Nachrichten-Kolumnen, die er als Briefe an Prominente und einfache Leser gleichermaßen verfasste. Anfangs galten seine Texte als unterhaltsam und passten zum optimistischen Zeitgeist des wiedervereinten Deutschlands und der frühen Internetära. Doch mit der Zeit wurde sein Stil immer polarisierender – ein Spiegel des Aufstiegs des Rechtspopulismus Mitte der 2010er-Jahre.

Ab 2015 und 2016, als die Migrationsdebatten eskalierten und Bewegungen wie Pegida an Zulauf gewannen, sah sich Wagner wachsender Kritik ausgesetzt. Vorwürfe lauteten, er betreibe Sensationsjournalismus und schüre bewusst Spaltung – besonders in den sozialen Medien. Seine letzte Kolumne, veröffentlicht am 7. September 2022, richtete er an Carlo Acutis, eine neu heiliggesprochene Figur der katholischen Kirche – ein Verweis auf Wagners eigene tiefe Gläubigkeit.

Seine Karriere war eng mit dem Axel-Springer-Verlag verbunden, für den er nicht nur als Kolumnist, sondern auch als Ghostwriter für prominente Persönlichkeiten arbeitete. Ein Insider bezeichnete seine Rolle einmal als "modus vivendi", der allen im Unternehmen entgegenkam. Trotz aller Kontroversen blieb er eine feste Größe im deutschen Medienbetrieb und wurde oft in einem Atemzug mit Kultfiguren wie James Last oder Fips Asmussen genannt.

Alfred Hilsberg hingegen, eine Schlüsselfigur der Hamburger Underground-Musik- und Kunstszene, lebte ein Leben, das kaum stärker im Kontrast zu Wagners Boulevard-Welt stehen konnte. Bekannt dafür, sowohl Bier als auch Haschisch abzulehnen, bezeichnete er die Bild – Wagners eigene Zeitung – einmal als das einzige "bewusstseinserweiternde Droge", die es wert sei, konsumiert zu werden. Sein Tod mit 77 Jahren markiert das Ende einer Ära für Hamburgs alternative Kultur.

Wagners Erbe ist heute umstritten – viele erinnern sich an ihn nicht nur als Kolumnisten, sondern als eine Figur, die die öffentliche Debatte geprägt und gespalten hat. Sein Tod am 7. Oktober hat die Diskussion über die Rolle des Boulevardjournalismus im modernen Deutschland neu entfacht.

Hilsbergs Ableben, wenn auch weniger politisch aufgeladen, unterstreicht den Verlust einer weiteren kulturellen Stimme aus einer ganz anderen Sphäre. Beide Männer spiegelten auf ihre Weise die Widersprüche ihrer Zeit.

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